Die Vögelchen kann ich leider nicht abdrehn ….

… die sind mit dem ganzen System verbunden” sagte mir die bezaubernde junge Kraft die, ganz in schwarz gehalten, Abenddienst im Wellness-Bereich des Hotels hat.

Das Hotel hat eine richtige Sauna, so wie man sie immer erhofft, Platz für 25 Leute oder mehr und ganz leer. Ordentlich heiss, nicht so lauwarm damit niemand einen Herzkasperl bekommt. Und vor der Tür steht der Kübel mit der Kelle. Erinnerungen an die Familiensauna im Dianabad werden wach. Heren nur in BegBuddhaleitung von Damen. Damen auch alleine. Denn die spechtln nicht. (Aussage eines offiziellen Organs dortselbst).

“Aufguss bitte” – ich giesse selbst. Kein Wachler. Ich wachle. “Schurl gibs eana, hau no ane drauf, na was Spezielles ins Wassa”. Der Oberbadewärter sieht es nicht gerne wenn der Aufguss mit hochprozentigem verfeinert wird. Ich bin alleine. Das Amazonaswald-Vogelgezwischer aus dem Lautsprecher hinter den grün wabernden Stimmungslampen holt mich in die Wirklichkeit zurück. Das Dianabad ist weg und ich bin wieder im 5-Stern Wellnessbereich – alleine mit 7 in eine künstliche Grotte eingelassenen Themenduschen. Ich lese Sutter [suttr] – Der Teufel von Mailand, Sonia die Physikotherapeutin schläft gerade mit dem Pianisten..

Die Kraft schwebt vorbei. Prüft. Die Füße bewegens sich fast nicht unter dem bodenlangen schürzenartigen Rock. Die omnipräsenten Buddhas schauen mich an  als wollten Sie sagen: so. (Wenn Buddhas Jiddisch könnten, würden sie sagen “nu”).

Wozu aber künstliche Vogelstimmen und Wassergeräusche in der Sauna? Ich mache noch einen Aufguß. Es wird weitergezwitschert. Sonia’s Kanarienvogel wurde im Aquarium des Wellnesbereichs im Hotel im Buch ertränkt. Heraussen, ausserhalb des Buchs tropft die etwas sklerotisch-verstopfte Regendusche. Es ist Zeit zu gehen. Sperrstunde. Ich empfehle der Kraft die gerade Kassa macht, den Suttr zu lesen. Vor der Türe während ich auf den Aufzug warte, ein Buddha mit rosa Lotusblüthe. Ich verabschiede mich mit einem Gassho.